Dysphagie
von Ulrike Krüger

Allgemeine Informationen
Eine Dysphagie bezeichnet eine Störung des Schluckens. Diese kann verschiedene Ursachen haben. Zum einen können neurologische Erkrankungen, wie zum Beispiel Schlaganfälle oder Hirntumore Schluckstörungen verursachen, aber auch krankhafte Veränderungen der oropharyngealen (Mundrachen) und pharyngealen (Rachen) Strukturen, verursacht durch Entzündungen, Unfallfolgen, Erkrankungen der Halswirbelsäule oder Tumore im Kehl-/ Halsgebiet. Auch durch chirurgische oder radiologische Behandlungen kann es zu Schäden in diesem Bereich kommen.

Hintergrundinformationen

Der Schluckvorgang geschieht in vier Phasen:

1. Orale Vorbereitungsphase
Die erste Phase bezeichnet man als orale Vorbereitungsphase. Diese beschreibt die Aufnahme der Nahrung oder der Flüssigkeit sowie das Abbeißen und das Zerkleinern der Speisen. Wichtig ist hierbei eine gut arbeitende Zungen- und Wangenmuskulatur sowie eine gute Mobilität dieser Strukturen. Die Phase ist komplett willkürlich und somit steuerbar.

2. Orale Phase
In der oralen Phase wird die Nahrung auf der Zunge platziert (ein Bolus gebildet) und durch eine Wellenbewegung der Zunge am Gaumen entlang Richtung Hals befördert. Sobald der Nahrungsbolus bestimmte Punkte im Hals passiert hat, wird der Schluckreflex ausgelöst. Ab diesem Moment ist der Vorgang nicht mehr willkürlich, sondern reflexartig. Er kann nicht mehr unterbrochen werden. In dieser Phase sind ebenfalls die Kraft und Mobilität der Zunge, Wangen und Lippen von großer Wichtigkeit. Bestehen Einschränkungen in diesem Bereich, kann es zu Problemen bei der Beförderung der Nahrung oder Flüssigkeit kommen. Auch kommt es bei neurologischen Patienten oftmals zur verspäteten Auslösung des Schluckvorganges, wodurch Nahrung bereits in den Schlund fließen kann, ohne das nachfolgende Arbeitsschritte aktiviert werden.

3. Pharyngeale Phase
Diese Phase ist nicht mehr sichtbar, da sie zwischen dem weichen Gaumen und der Öffnung der Speiseröhre im Hals stattfindet. Alle stattfindenden Aktionen sind sehr eng miteinander verbunden. Sobald der Bolus die Punkte im Rachenraum passiert hat, verschließt der weiche Gaumen die Nase, um das Austreten der Nahrung aus der Nase zu verhindern. Danach wird der Bolus zur Speiseröhre transportiert. Gleichzeitig muss die Luftröhre für diesen Moment verschlossen werden, um das Eintreten von Nahrung zu verhindern. Kommt Nahrung doch einmal zu nah an die Luftröhre oder auch in die Luftröhre, äußert sich dies beim gesunden Menschen durch einen starken Hustenreiz. Hiermit wird die Nahrung wieder aus der Gefahrenzone befördert. Bei erkrankten Menschen kann es jedoch zu Sensibilitätseinschränkungen kommen, wodurch sie nicht fühlen, dass etwas in die Luftröhre fällt. Auch sind viele Patienten kraftlos, wodurch der Hustenstoß weniger effektiv ist. Des Weiteren muss in dieser Phase die Speiseröhre geöffnet werden, um das Eintreten der Nahrung zu ermöglichen. Sobald die Nahrung die Öffnung der Speiseröhre passiert hat, verschließt sich diese und wird die Luftröhre wieder geöffnet, um das Weiteratmen zu ermöglichen.

4. Ösophagusphase
Die vierte und letzte Phase beschreibt die Beförderung der Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen. Probleme in dieser Phase werden nicht logopädisch behandelt sondern vom Gastroenterologen.

Befunderhebung
Eine Schluckstörung kann auf unterschiedliche Arten diagnostiziert werden. Die Erstdiagnostik besteht aus einer ausführlichen Anamnese bei der abgefragt wird, welche Speisen und Flüssigkeiten möglicherweise beim Schlucken Probleme bereiten. Danach wird dem Patienten ein Glas Wasser gereicht, welches er Schluck für Schluck trinken soll. Der Therapeut achtet hierbei auf die Beförderung des Glases zum Mund, auf die Lippen-, Wangen und Zungenbewegungen und fühlt die Kehlkopfhebung am Hals. Anschließend überprüft er die Stimmqualität des Patienten, um herauszufinden ob nach der Beendigung des Schluckens noch Teile der Flüssigkeit im Halsgebiet zurückgeblieben sind. Zeigen sich hierbei Einschränkungen können noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden, um ein genaueres Bild des Schluckvorganges zu erhalten.
Zusammen mit dem HNO-Arzt kann zum Beispiel eine Endoskopie durchgeführt werden, bei der eine kleine Kamera durch die Nase bis auf Sichthöhe der Speiseröhrenöffnung eingeführt wird und der Patient eingefärbte Flüssigkeiten und Nahrungsmittel angereicht bekommt. Bei dieser Methode kann somit von innen geschaut werden, wie der Schluckvorgang funktioniert und ob Einschränkungen vorliegen.
Auch gibt es die Möglichkeit einer radiologischen Untersuchung bei der der Patient Nahrung, die mit Kontrastmitteln vermischt ist, vor einem Röntgengerät zu sich nimmt. Hierbei kann von außen betrachtet werden, welchen Weg die Nahrung nimmt.

Therapie
In der Therapie können drei Ziele verfolgt werden. Zum einen wird mit dem Patienten besprochen, welche Konsistenzen (flüssig, breiförmig, fest) er schlucken kann und welche noch zu schwierig sind. Zum anderen wird mit dem Patienten an der Kräftigung der Strukturen sowie der Verbesserung der Mobilität dieser gearbeitet, um ein kraftvolles und effizientes Schlucken wieder zu ermöglichen. Hierbei werden alle Muskeln des Gesichtsbereiches aktiviert, auch durch Grimassen, Zungen- und Stimmübungen. Als drittes können mit dem Patienten Kompensationen erarbeitet werden, mit denen er die Nahrung sicherer schlucken kann. Es kann sich hierbei um Haltungsanpassungen, Anpassungen des Bestecks oder Geschirrs oder auch zusätzliche Schutzmaßnahmen handeln.

Wegweiser ins ZAPP
Um zu uns zu kommen, brauchen Sie eine Heilmittelverordnung vom Arzt. Unter der Telefonnummer 0331-2755067 kann dann ein Termin für eine Befunderhebung bzw. die Therapie vereinbart werden. Beide Leistungen werden von der Krankenkasse bezahlt. Informationsgespräche sind jederzeit möglich.